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Calle Juanito, el cojo
Mai 2022

Die Straßen von Fuerteventura

Viele Straßen auf Fuerteventura sind der Erinnerung an anonyme Personen gewidmet, die aus irgendeinem Grund unter ihren Zeitgenossen hervorstachen. In manchen Fällen war der Grund ihr Beruf, wie bei “Juanito, el patrón”, “Practicanta Chanita” oder “Pepe, el carretero”, die den Stadtplan von Gran Tarajal bereichern. Es genügt, ein bisschen zu recherchieren, um jemanden zu finden, der sich an ihre Biografien erinnert. In anderen Fällen waren es tragische Ereignisse, die die volkstümliche Legende so sehr prägten, dass sie überall auf der Insel bekannt wurden. Dies ist die Straße “Juanito, el cojo”.

Calle Juanito, el cojo

Die Straßen von Fuerteventura

Es ist merkwürdig, in Puerto del Rosario eine ziemlich steile Straße zu finden, die aussieht wie eine Gasse und auf dem Straßenschild den Namen eines Herrn trägt, der den Spitznamen “der Lahme” hat. Man fragt sich zweifellos, wie schwierig es für diesen Juanito wäre, diese Straße hinaufzugehen, obwohl inzwischen mehrere Geländer angebracht wurden, die eine Vorstellung von der Unebenheit des Abhangs vermitteln. Bei weiteren Nachforschungen über diese Persönlichkeit stellt sich heraus, dass sich an diesem Ort ein schreckliches Unglück ereignet hat: Hier wurde ein Kanarier namens Jerónimo Fernández Jorge ermordet. Der Täter war Juan Morales Álvare, der von seinen Nachbarn als “Juanito, el cojo” (Juanito, der Lahme) genannt wure. Der Protagonist dieser Geschichte wurde 1839 in der Stadt Tetir geboren. Aus dieser fruchtbaren Ebene zog er in das damalige Puerto de Cabras und gab seine Arbeit in der Landwirtschaft und Viehzucht auf, um eine Metzgerei zu eröffnen. Seine drei Kinder wurden in der Hauptstadt von Fuerteventura geboren: Josefa (1875), Victoria (1880) und Pablo (1882). Sie alle trugen den zweiten Nachnamen Barrera, den ihrer Mutter, die einige Jahre später starb. Puerto de Cabras war damals ganz anders als heute. Es gab einige wenige Häuser und ein und ein Rechtssystem, dasvorwiegend ein Friedensgericht war, welche wichtige Angelegenheiten nach Arrecife, der Hauptstadt der Nachbarinsel Lanzarote, verwies. Die “Correíllo”, wie das Schiff genannt wurde, das einen Tag in der Woche auf der Insel anlegte, beförderte Menschen und Waren und verlieh dem Hafen einen Hauch von Modernität und intensivem Handelsleben. Allerdings kam es zu gelegentlichen Auseinandersetzungen wegen dem Rum, der in den Kantinen ausgeschenkt wurde. Zu dieser Zeit hatten sich bereits einige Mitglieder der Guardia Civil und einige Soldaten, die in der Calle de la Marina wohnten, in Puerto Cabras niedergelassen. In dieser Atmosphäre, in der es einen ständigen Wechsel von Menschen und Umständen gab, kam ein gewisser Jerónimo Fernández Jorge, der bei allen als “Momito, el de María Jorge” bekannt war und 1845 in der Hauptstadt geboren worden war, gelegentlich nach Puerto de Cabras. Das Opfer gehörte früher zur Besatzung der Boote von Agustín Pérez und war dafür bekannt, dass er sich in allen möglichen Bars und Spielhöllen herumtrieb. Dann begann “Momito” mit den Töchtern von Juan Morales auszugehen, was ihren Vater, der bereits Witwer und über sechzig Jahre alt war, verärgerte. Ihn ärgerte die Situation so sehr, dass er einmal im Fischgeschäft von José Machín zu seinen Nachbarn sagte: “Eines Tages werde ich dem Mann den Bauch aufschlitzen...!” Die Tragödie ereignete sich am 6. März 1901 in der Abenddämmerung. An diesem Morgen war Jerónimo Fernández Jorge angekommen und verbrachte den größten Teil des Tages damit, seine üblichen Runden durch die Stadt zu drehen, wo er nicht gerade für seine guten Manieren bekannt war. Statt seine Mutter und seine Geschwister Antonio (Puerto de Cabras, 1875) und Isabel (Santa Cruz de Tenerife, 1883) zu besuchen, lief er in der Nähe des Hauses von Juan Morales herum, der ihm mit einem Messer in der Hand entgegenkam. Der Metzger, der sich selbst als “Schlachter” bezeichnete und es gewohnt war, Tieren die Kehle aufzuschlitzen, verfolgte ihn, bis er ihn einholte und erstach ihn. Dann wischte er das Messer an seiner Metzgerschürze ab und wollte gerade zu seinem Geschäft zurückkehren, als er von mehreren Angehörigen der Guardia Civil, verhaftet wurde, die auf den Streit zwischen den beiden Männern aufmerksam geworden waren. Einige Tage später wurde er an Bord der „Beatriz“ gebracht und zusammen mit der mutmaßlichen Tatwaffe den Justizbehörden in Arrecife übergeben. Die kanarischen Zeitungen berichteten einige Tage später, dass die Stichwunde im Herzen exakt war und dass das Opfer als Fischer gearbeitet hatte und 24 Jahre alt war. Beide Familien beschlossen, am Tatort ein kleines Kreuz aufzustellen, und zwar genau an der Stelle, an der später eine schmale Gasse gebaut werden sollte, die gegenüber vom städtischen Markt der Hauptstadt von Fuerteventura angelegt wurde.

 

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